Wolfgang-Andreas Schultz

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"Mein junges Leben hat ein End" - ein Totenritual

Fantasie für Klavier

Das Werk gliedert sich in zwei große Teile: "Das Totenritual" und "Die jenseitige Welt".

Im Totenritual umrahmen archaische Klänge (wie tiefe große Trommeln und scharfe, schrille Flöten) zwei größere Teile: die bewegte Episode des tödlichen Fiebers, voller Unruhe mit einem Thema des Weinens, und dann die eigentliche Sterbeszene, die als Variationszyklus über das Lied „Mein junges Leben hat ein End“ angelegt ist, das J.P. Sweelinck durch sein Variationswerk überliefert hat. Es folgt der Übertritt in die jenseitige Welt: der einstimmige Gesang der sich vom Irdischen lösenden Seele und die erste Begegnung mit dem Licht.

Der zweite Teil ist angeregt durch Vorstellungen über die Seelereise nach dem Tod, wie sie in Nahtod-Erfahrungen und in Texten verschiedener Kulturen beschrieben werden, wobei Dantes "Göttliche Komödie" als christliche und das Totenbuch der Tibeter als buddhistische Quelle besonders wichtig waren. Das Totenbuch ermahnt, auch die fürchterlichsten Dämonen als eigene Projektionen zu durchschauen und sich auf dem Weg ins Licht nicht beirren zu lassen. Nachdem das Inferno dieser Dämonen durchschritten ist, hellt die Musik sich auf und versucht, die Seligkeit der paradiesischen Welt ahnen zu lassen.