Wolfgang-Andreas Schultz |
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zurück zum gesamten Werkverzeichnis Shiva - Tanzdichtung für Flöte und Orchester 2. Flötenkonzert (1990-91)
Shiva ist die Versöhnung aller Gegensätze, Shiva ist die indische Gottheit, die durch ihren Tanz im Weltenrad Werden und Vergehen lenkt. Angeregt wurde das Werk durch zwei Bilder aus Indien: neben einer Shiva-Darstellung fand sich die Skulptur eines himmlischen Musikanten, der eine querflötenähnliches Instrument spielt. Beide Bilder verbanden sich zu der Idee einer Komposition, in der Werden und Vergehen musikalisch dargestellt sind; und natürlich spielt der himmlische Musikant dem Gott Shiva auf der Querflöte zum Tanz auf. Werden und Vergehen beziehen sich in diesem Werk wesentlich auf die Stadien der Bewußtseinsentwicklung, die die Menschheit durchlaufen hat - man spricht in diesem Zusammenhang von "Bewußtseinsevolution". Dabei muß zwar die jeweils ältere Ebene der neu auftretenden Platz machen, sollte dann aber integriert werden, so daß im Idealfall schließlich alle Ebenen gleichzeitig vorhanden sind. Am Anfang steht eine Introduktion, deren Schlagzeugformel fernöstliche Kultmusik anklingen läßt. Shiva ist noch ganz in Meditation versunken. Die aufsteigende Flötenlinie läßt ihn im Gedanken an einen neuen Schöpfungszyklus aus der Meditation erwachen.
Nun folgt der große kosmische Reigen, in dem alle Ebenen der Bewußtseinsentwicklung, also die Themen und Stile aller Schöpfungsepisoden in einer großen Durchführung miteinander verbunden werden; hier erfolgt die Integration aller Ebenen der Bewußtseinsevolution in der Gleichzeitigkeit des polyphonen Satzes. Nach dem großen Höhepunkt führt die Musik zur Kadenz der Soloflöte, in der sich schließlich alle Themen zu einer latenten Gleichzeitigkeit in einer Linie verbinden. Nach dem Durchlaufen dieses Schöpfungszyklus begibt sich Shiva wieder in meditative Versenkung. |