Wolfgang-Andreas Schultz

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Transfiguration – Bildbeschreibung (nach Raffael) für Orchester

Besetzung:

2 Flöten, 2 Oboen, Klarinette in A, Baßklarinette in B, 2 Fagotte; 4 Hörner in F, 2 Trompeten in C, 3 Posaunen; Zimbelpaar auf e'''', Pauke auf E; Streicher (8 – 10 erste, 8 zweite Violinen, 6 Bratschen, 6 Violoncelli, 4 Kontrabässe)

Notation:

in den traditionellen Transpositionen, Hörner im Baßschlüssel eine Quarte unter dem Klang; die Zimbeln klingen 2 Oktaven höher.

Dauer:

etwa 8 bis 9 Minuten

Anmerkungen zum Stück:

Das Bild "Transfiguration" (Die Verklärung Christi) von Raffael vereinigt zwei Ereignisse, die in der Bibel (Lukas 9,28 - 42) nacheinander erzählt werden: die Verklärung Christi auf dem Berg Tabor und die Heilung des besessenen Knaben. Die obere Bildhälfte zeigt die lichte Verklärungs-Szene: Jesus mit Moses und Elias im Glanz schwebend, die untere die dramatisch bewegte Szene der Heilung des Knaben. Die Gleichzeitigkeit dieser stark gegensätzlichen Ereignisse verleiht dem Bild seine Ausstrahlung. Die Herausforderung für die Komposition lag in der Kontrapunktierung zweier eigenständiger, im zeitlichen Ablauf und in formaler Gliederung unabhängiger Schichten.

Vorbereitet durch eine Einleitung beginnt die eigentliche "Bildbeschreibung" mit Einsetzen des tiefen Orgelpunkts E, der das ganze Stück über liegen bleibt. Die Verklärungs-Szene benutzt ausschließlich Töne des Obertonspektrums über dem Kontra-E und dem großen E, jeweils bis zum 16. Teilton, allerdings unserem Tonsystem angeglichen. Ihr Kern ist die in großer Ruhe sich entfaltende Linie des "Christus-Themas" in der 1.Violine mit 2. Oboe, die alle Töne des Spektrums verwendet, umspielt von zwei den beiden Gestalten Moses und Elias zugeordneten Linien (1. Flöte mit 1. Oboe, 2. Flöte mit Klarinette), die aus dem spektralen Material jeweils fünftönige Leitern auswählen, die klassische Pentatonik und den indischen "Raga Hamsadhvani". Vielfach geteilte Streicher (meist 2.Violine und einige Bratschen) füllen im Hintergrund den Klangraum aus und stellen die Verbindung zum Grundton, zum Orgelpunkt her.

Im unteren Tonraum tritt alsbald die Szene der Heilung des besessenen Knabens hinzu. Das tragende Thema wird in den Celli entwickelt, später treten hinzu das "Christus-Thema" aus der Verklärungs-Szene und ein dämonisch drängendes Motiv in Kontrabässen und tiefen Holzbläsern. Hier werden in chromatischer Linienführung alle Töne benutzt in überwiegend dissonanten Klängen, die nicht dem Obertonspektrum angehören. Erst am Ende, nach dem dramatischen Höhepunkt dieser Szene, der Heilung, fügt sich auch diese Musik in den spektralen Klang ein.

Anmerkungen zur Aufführung:

Grundtempo sollte Viertel 52 sein, ein gewisses Rubato ist dem Ausdruck der Heilungs-Szene zuliebe bis etwa Viertel 56 möglich.

Sollte die Streicherstärke nicht ganz erreicht werden, ergeben sich daraus keine unlösbaren Probleme.

Die Kontrabässe dürfen im Verlauf des Stückes ihre Partien tauschen, damit nicht die eine Hälfte immer nur das tiefe E spielen muß.

Dynamische Angaben sind Anhaltspunkte. Wichtig sind strukturelle Klarheit der Polyphonie und gute Verschmelzung, d.h. Anbindung der Verklärungsszene an den Orgelpunkt. Der Orgelpunkt darf dynamisch angehoben werden, sollte aber nie die Heilungs-Szene zudecken.