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Wolfgang-Andreas Schultz

Rituelle Gesänge

Drei Gedichte von R.M. Rilke für Altstimme, Viola und Klavier

Die drei Gedichte sind so ausgewählt, dass sie Stationen der Gotteserfahrung beschreiben: Die Suche nach Gott – das ist ein Gedicht aus dem „Stundenbuch“; dann die „Verkündigung“ (aus dem „Buch der Bilder“) mit der Stimme des Engels. Nach der Lehre des mystischen Christentums ist die Menschwerdung Gottes kein einmaliges historisches Ereignis, sondern kann sich in jedem Menschen wiederholen. Insofern spricht der Engel zwar zunächst zu Maria, aber genauso auch zu jedem Menschen. Das dritte Gedicht aus „Dir zur Feier“ hat als Kern das, was man eine „All-Einheits-Erfahrung“ nennt: Die Erfahrung, dass alles mit allem verbunden ist, was dem Gottesbegriff des „Einen“ des christlichen Neuplatonismus entspricht, vom dem das mystische Christentum tief beeinflusst ist.

Die Vertonung versucht, eine überpersönliche, rituelle Sphäre mit dem persönlichen Ausdruck zu verbinden. Das Klavier lässt rituelle Klänge anklingen, und die Viola benutzt an indische Ragas angelehnte Skalen, oft unabhängig von Gesang und Klavier, aber sich immer wieder mit deren Ausdruck verbindend. So wird die romantisch-expressive Sprache von Gesang und Klavier von der rituellen Sphäre durchdrungen.

Dauer: etwa 12 Minuten

Entstanden Mai/Juli 2025

Bis auf Weiteres alle Rechte beim Komponisten.